Auszug aus dem 1. Protokoll der Freiwilligen Feuerwehr Witzwort

 

Die Aufzeichnung war als „Vorwort“ für das Anlegen des Protokolls gedacht.

Wie auf dem platten Lande allerorten, so war auch in Witzwort wenigstens bis zum Jahre 1870  die Einrichtung des Feuerlöschwesens eine möglichst primitive.  Die Gemeinde als Corporation (Körperschaft) verfügte über keinerlei Löscheinrichtungen, vielmehr war jeder Hauseigentümer verpflichtet einen Löscheimer und einen Feuerhaken (beide Gegenstände mit der betr. Hausnummer versehen) zu halten und bei Ausbruch eines Feuers im Orte sich mit demselben an den Brandplatz zu begeben. Ein Teil der erschienen Mannschaften bildete mit den Löscheimern eine Kette von der nächstgelegenen Brandkuhle resp. (bzw.) Pumpe bis zur Brandstätte, während die anderen vermittelst der plumpen Feuerhaken erreichbare Gegenstände aus den Flammen zu ziehen suchten, später auch wohl nach Zusammensturz des brennenden Gebäudes den stehengebliebenen Schornstein berannten und zum Umsturz zu bewegen suchten.

Eine wesentliche Änderung brachte das Jahr 1871, in welchem die Gemeinde eine Feuerspritze aus der Nagel’schen Fabrik in Schleswig beschaffte. Jetzt wurde die Sache in der Weise geregelt, daß die Spritze von einer bezahlten Mannschaft bedient wurde, die einen Stundenlohn von 45 Pf. pro Mann erhielt und die erforderliche Brandwache sich zusammensetzte aus einer in dem betr. Brandbezirk aufgebotenen Mannschaft. Das sich bei dieser Einrichtung im Lauf der Jahre wiederum allerlei Mängel herausstellen mußten, liegt auf der Hand, und es wurde deshalb öfter an eine Umgestaltung gedacht, zur Ausführung aber immer noch nicht geschritten. Als einziger Fortschritt war nur die vorgenommene Verlegung des Spritzenhauses vom Kirchhof (es war ein Anbau an der Nordmauer des Gotteshauses, das ehemalige sogenannte „Beinhaus“, eine wahre Rumpelkammer) nach der zur Armenanstalt gehörigen Scheune zu verzeichnen. Der Herr Feuerlöschinspektor Wernich, Kiel, hatte bereits (Hofbesitzer Peter Wallichs war z.Zt. Lehnsmann) in einem im Kirchspielkrug gehaltenen Vortrage eine Neuorganisation des Feuerlöschwesens angeraten, die Kommune sich auch erboten, die Kosten für die Errichtung einer freiwilligen Feuerwehr zu übernehmen, aber es fanden sich keine Leute, welche Lust bezeigten der Wehr beizutreten. Es blieb demnach alles beim Alten.

Endlich, Anfang des Jahres 1899 erging seitens des Herrn Königlichen Landrats Fritzsche - Tönning  eine Aufforderung an unsere Ortsbehörde, für Einrichtung einer freiwilligen oder aber einer Pflichtfeuerwehr Sorge zu tragen. Auf Grund dieser Aufforderung wurde durch den Gemeindevorsteher, Herrn Lehnsmann Hinrich Harder, auf den 22. Januar nach dem Kirchspielkruge eine Versammlung berufen, zwecks Gründung einer freiwilligen Feuerwehr. Nach Vorlesung des amtlichen Schreibens und des Statuts der Tönninger Freiwilligen Feuerwehr meldeten sich 8 Herren zum Eintritt in die Wehr. Um im Interesse der Sache weiter zu  wirken, wurde ein Ausschuß eingesetzt, bestehend aus den Herren J. Wallichs, H.O. Peters, N. Caspersen und G. Petersen. Diesen Ausschuß gelang es, die Zahl der Anmeldungen auf 20 zu erhöhen, und es wurde in einer Sitzung am 26. Januar beschlossen, Herrn Lehnsmann Harder zu ersuchen, in der am 1. Februar tagenden Gemeindevertretersitzung den Antrag zu stellen  „Die Kosten der Ausrüstung einer freiwilligen Feuerwehr möchten aus den Mitteln der Gemeindekasse bestritten werden“. Der Antrag wurde abgelehnt mit der verblüffenden Bemerkung, daß eine Feuerwehr auf dem Lande zwecklos wäre.

Daraufhin ersuchte G. Petersen den Hauptmann der Gardinger freiw. Feuerwehr und Vorsitzenden des Kreis-Feuerwehr-Bezirks Eiderstedt Herrn Redakteur Chr. Dircks, durch einen Vortrag in Witzwort das Interesse für die Einrichtung des gemeinnützigen Instituts einer freiwilligen Feuerwehr zu wecken. In einer auf den 12. Februar berufenen gut besuchten Versammlung entwickelte Herr Dircks in längeren Vortrag den Zweck und Nutzen einer freiw. Wehr.

Ein erneuter Antrag auf Unterstützung wurde der Gemeindevertretung unterbreitet und wiederum rundweg abgelehnt. Damit war die ganze Feuerwehrsache wenigstens vorläufig zu Grabe getragen.

Genau 1 Jahr später wurde „ein Druck von oben eingesetzt“. Am Mittwoch, d. 2 Februar 1900 erschienen die Herren Feuerlöschinspektor Wernich, Kiel und königl. Landrat Fritzsche, Tönning, um die Feuerlöscheinrichtungen der Gemeinde Witzwort zu inspizieren. Die Herren Amtsvorsteher Hansen, Uelvesbüll und Lehnsmann Harder, Witzwort sowie die Brandaufseher der verschiedenen Branddistrikte waren nach dem Kirchspielkrug befohlen, und später mußte die angeworbene Spritzenmannschaft auf der Pastorenwarft die Spritze vorführen. Mehrere Verbesserungen der letzteren wurden vorgeschrieben (vorschriftsmäßige Schlauchlänge und Schlauchhaspel usw.) nach deren Ausführung dieselbe vorläufig als den Verhältnissen genügend bezeichnet wurden. Jetzt erst trat die Feurwehrsache in ein neues Stadium. Auf den 11. Februar wurde wiederum eine Versammlung angesetzt, in welcher Herr Lehnsmann Harder mit ziemlicher Sicherheit die Bereitwilligkeit der Gemeindevertretung die Equipierung (Austattung, Ausrüstung) einer evtl. einzurichtenden freiwilligen Wehr zu übernehmen in Aussicht stellen konnte. Auch dieses Mal meldeten sich recht viele junge und im besten Mannesalter stehende Leute zum Eintritt, und bereits am 20. Februar konnte sich die freiwillige Feuerwehr konstituieren und die Wahl des Kommandos  vornehmen.

Die Wahl ergab folgendes Resultat:

Boy Harder                              - Hauptmann

Joh. Zernitz                              - 1. Rottenführer und stellv. Hauptmann

August Peters, Maurermeister  - 2. Rottenführer

Peter Davids, Maurermeister    - Steigerführer (2. Rottenf.)

G.M. Petersen                          - Schriftführer

Jens Paulsen                            - Kassierer

 

Mit gewohnter Liebenswürdigkeit erbot sich Herr Hauptmann Dircks, Garding wiederum, bei der ersten Einrichtung der Wehr dem Kommando behilflich zu sein, und wurde derselbe ersucht, der am 6. März tagenden Versammlung beizuwohnen. Zu derselben hatte sich ebenfalls der Vertreter der Fa. Georg C. Hansen, Husum, Herr Möller, eingefunden, um Proben von Feuerwehrausrüstungen vorzulegen. Herrn Dircks, welcher in längeren Vortrage viele schätzenswerte Winke gab, wurde am Schluß der Versammlung ein donnerndes Hoch gebracht.

In der am Freitag, d. 23. März tagenden Sitzung erklärte die Gemeindevertretung sich bereit, die Kosten der Ausrüstung zu übernehmen und beschloß zugleich die Lieferung der Fa. G.C. Hansen zu übertragen. Auf Anraten des Herrn Dircks hat man sich für die Anschaffung der Normaluniform entschlossen. Am 24. März begaben sich 3 Herren der Vertretung nach Husum, um hinsichtlich der Helme, Gurte usw. Auswahl zu treffen, und am 25. März bereits konnte das Ausmessen der Uniformen durch den Schneidermeister Herrn Köllner, Husum erfolgen.

In der an demselben Tage stattfindenden Sitzung der Wehr wurden die entworfenen Statuten durchberaten und angenommen. Was seit Jahren vorbereitet, ist also jetzt zur Wirklichkeit geworden, auch die Gemeinde Witzwort erfreut sich des Instituts einer freiw. Feuerwehr und zwar in Stärke von nunmehr 26 Mann.

Unsere Wehr ist die 4te im Kreise Eiderstedt, da nur die Städte Garding und Tönning sowie unser Nachbardorf Oldenswort bisher über eine freiw. Feuerwehr verfügen. Möge dann wie allerorten auch hier die neubegründete Witzworter freiw. Feuerwehr wirken zum Segen der Gemeinde treu dem Wahlspruch:

Gott zur Ehr,

dem Nächsten zur Wehr!

 

Witzwort, im Mai 1900                     G. Petersen